Mind-blowing; die erste

An einem Samstag-Abend – in unserem Städtchen war gerade das alljährliche «Stadtfest» – gingen Pj, Le und ich mal wieder in den Wald um dort unserer unterdessen üblichen Wochenendbeschäftigung nachzugehen. Blöderweise hatte Pj für uns drei bloss zwei Miraculix 500 übrig, so dass wir alle nur dreiviertel abbekamen. Obwohl wir unterdessen bereits ordentlich Erfahrung mit ganzen Miraculix gesammelt hatten, hofften wir noch auf einen guten Flash, weil eine Urban-Legend (oder eben doch nicht) besagt, dass am Rand der LSD-Bogen mehr LSD sich angesammelt habe. Und wir hatten da ganz offensichtlich zwei Trips vom Rand eines Bogens.

Und tatsächlich musste ich mich nach gut dreiviertel Stunden bereits ziemlich an einer knallrot gestrichenen Sitzbank festhalten, auf der wir uns niedergelassen hatten. Nach einer Stunde verliessen wir die Bank fluchtartig aber lachend – wobei ich mir von aussen beim Lachen zuhörte, was ich gar nicht so witzig fand – Richtung (n)irgendwo. Wir hielten uns an den Händen fest, weil wir Angst hatten, einander zu verlieren. Als wir schliesslich nach kurzem Schweben auf einer Lichtung ankamen ging’s derart ab, dass wir uns spontan hinlegen mussten. Es zog mir einfach den Boden unter den Füssen weg und ich sank tief in die Wiese hinein. Mein Körper drohte sich in tausend Ameisen aufzulösen, die in mich und durch mich hindurch krochen. Angst stahl meinen Hals hoch. Doch bevor sich eine Paranoia ausbreiten konnte hatte der Himmel mich vollkommen in seinen Bann gezogen und ich vergass alles um mich herum. Da oben war die Hölle los: Etwa in der Mitte meines Blickfeldes war sowas wie ein schwarzes Loch entstanden, in welches alle Wolken mit ungeheurer Geschwindigkeit hineinströmten während sie durcheinander und ineinander flossen. Das Ganze lief irgendwie symetrisch ab, ich glaube, dass zwei Spiegelachsen in den Himmel eingelassen waren, aber an zählen oder geometrische Figuren deuten war nicht zu denken. Es war nicht so (wie bei schwächeren Trips), dass ich da irgendwie konzentriert hätte hinschauen müssen. Das Zeug war einfach da, so deutlich und real wie die Bäume im Wald – welche unterdessen in allen Farben erstrahlten und jeder hinter sich selbst in vierfacher Ausführung in der Gegend rumstand (schön nach der Farbelehre geordnet). Die Wolken veränderten permanent ihre Farbe und verwandelten sich in Figuren (ich mag mich an Elefanten erinnern) die sich gegenseitig verschlingend ins schwarze Loch brausten. Neben mir lagen Le und Pj, oder besser ich vermutete, dass sie da lagen, ich erkannte nämlich in meiner näheren Umgebung nichts mehr. Da war nur noch WirrWarr, ein Durcheinander von Farben und Formen, welches ich nicht zu beschreiben vermag. Und ebenso sah es mit meinen Gefühlen aus. Diese wechselten von leichter Paranoia über «Erleuchtungsgefühle» (ich sollte auf Psilos noch stärkere «Erleuchtungen» erleben) bis zum Gefühl der Entkörperung, der Auflösung in dem wild wuselnden WirrWarr närrischer Wunderdinge. Nach gefühlten zehn Minuten, die sich als drei Stunden herausstellen sollten, waren wir soweit wieder bei Verstand, dass wir aufstehen und sprechen konnten. Wir schauten uns aber nur verblüfft an und machten uns auf den Weg ans Dorffest. Dabei hielten wir uns wieder an den Händen und verloren jede Orientierung in dunklen Ecken (wir hatten keine Taschenlampen dabei), so dass wir nicht mehr wussten, wo oben und unten ist und der Boden irgendwie durch unsere Beine fuhr (was ich im Nachhinein als blosses Einknicken interpretiere).

Als wir nach langem und abenteuerlichem Vorwärtstasten und -stolpern endlich im Dorf ankamen (wir hatten absolut keine Ahnung, wie spät es ungefähr sein könnte), waren unsere Bekannten und Freunde total betrunken und bedrängten uns entsprechend. Ich erzählte wohl einige wirre Dinge um mich davon zu stehlen. Das Fest selbst erschein mir als eine Ansammlung komischer Wesen, die zwischen lustig und beängstigend hin und her schwankten. Unterdessen waren die Halluzinationen weitgehend zurückgegangen, aber ich hatte das Gefühl, dass aus der feiernden Masse Türme in die Höhe wuchsen, auf denen Clowns und fremdartige Tiere ihr Unwesen trieben. Wegen der zunehmenden Unbehaglichkeit unter lauter Betrunkenen zogen uns dann relativ rasch zurück und liessen den Rausch ausklingen.

Der Trip war am nächsten Tag weitgehend vorbei, ich hatte bloss noch eine Konversation meinem Vater zu erklären, der mich zu hause irgendwelche Sachen gefragt hatte, welche ich bloss mit unzusammenhängenden Antworten zu würdigen wusste. Zum Glück gibt’s für solche Fälle die Ausrede mit dem Alkohol…

PS: Die Geschichte scheint wohl etwas dick aufgetragen. Genau so hat sich der Trip aber zugetragen. Pj und Le bestätigten die selben Erscheinungen bis ins Detail (wobei beide heute leider nicht mehr allzu verlässliche Erinnerungen vorzuweisen haben).