Lysergsäurediethylamid

Im Verlauf von etwa einem Jahr entwickelte sich LSD zu einem Dauerbegleiter unserer «Clique». Eine längere Zeit verbrachten wir praktisch jedes Wochenende auf einem «Trip» (auch Psilocybin und Meskalin) und irrten entweder im Wald oder in unserem Städtchen rum. Das war in etwa in den Jahren 1995/96 in denen ich einige aussergewöhnliche Erlebnisse hatte, welche noch zu erzählen sind. Damals waren die «Miraculix 500» und die «Hoffmann-Jubiläums-Trips» (auch Fahrrädchen genannt) sehr in Mode. Beides Teile, die um einiges stärker waren, als die damals handelsüblichen «Filz» (gewöhnliche «Filz» werden mit etwa 100 Mikrogramm LSD angereichert, die Miraculix mit 500 und die Hoffmänner mit 750). Da wir uns an die Teile gewöhnten, war es nicht unüblich, dass wir von den normalen gleich zwei (selten auch mehr) einwarfen. Dies auch weil wir glaubten, dass man sich wie beim Kiffen mit der Zeit an den Flash gewöhne (beim LSD ist das Gegenteil richtig), und weil wir nach dem Motto rumdrogten: «Wenn, dann richtig».

Es entwickelte sich in unserem Kreis eine im Rückblick fatale Grundstimmung, die stark von nihilistischen Elementen geprägt war. Im Verlauf unserer dauernden LSD-Reisen gingen einige gute Freunde verloren. Diese Ausfalls- und (teilweise) Einlieferungserscheinungen korrespondierten aber folgendermassen mit unserer Einstellung: Wir waren uns einig, dass ein Leben auch dann ganz gut zu leben sei, wenn man «Hängengeblieben» war. Die Welt war ohnehin am Arsch, unser Leben hatte nichts zu bieten und in den Psychiatrien lachten die Menschen ja schliesslich auch. Man hatte unter der Woche ohnehin nichts was Spass machte und so verlegte man sein Leben auf die zwei Tage an ihrem Ende. Also machten wir mit dem fast wöchentlichen Konsum auch dann weiter, als die meisten von uns bereits mehrere Tage benötigten, um nach einem «Trip» wieder ganz runter zu kommen. Es fielen dann auch immer mehr Leute weg, angefangen bei Zg – den ich erst Jahre später im Zuge einer antifaschistischen Mission wieder zu sehen bekommen sollte – über Le bis es dann irgendwann mich erwischte und ich feststellen musste, dass es sich mit einer drogeninduzierten Psychose eben doch nicht (gut) leben lässt. Was es bedeutet, wenn einem die Wochen und Wochenenden plötzlich zu einem einheitlichen Brei verschwimmen, der von Fallen, Messern und allerlei «Zeichen» gespickt ist, soll hier aber später behandelt werden. Vorerst war noch alles einfach unglaublich.