Methylendioxy-N-methylamphetamin

Meine Erfahrungen mit MDMA beschränken sich auf eine überschaubare Anzahl. Wir stiegen relativ schnell auf LSD um, welches zum einen billiger war und länger einschlug und zudem ganz neue Welten eröffnen sollte – aber dazu später. Als wir Ectasy entdeckten, waren Organisationen wie «Eve & Rave», die die Tabletten nach Inhaltsstoffen analysieren, noch marginale Erscheinungen und selbst wenn nicht, hätten sie uns wohl nicht erreicht. Wir schmissen einfach alles rein, was wir in die Finger bekamen. Von Nach- und Nebenwirkungen hatten wir keine Ahnung, wenn wir sie denn nicht am eigenen oder zumindest einem uns bekannten Leibe zu spüren bekamen.

Den Silvester 1995/96 verbrachten wir, die wir sonst unsere Räusche im Wald oder einfach auf der Strasse erlebten, an einer Technoparty. Darüber gibt es eigentlich nur zu berichten, was es über 90% der MDMA-Abende zu berichten gibt. Pj und Le kannten bald die ganze Halle und tanzten durch die Menge, Le so stark und lang mit den Fingern schnipsend, dass sie am Morgen blutig waren. Hs mahlte mit seinem Kiefer rum, hatte riesen Pupillen und sah mit seinen wirren Haaren aus wie ein junger Dr. Gonzo aus «Fear an Loathing in Las Vegas» und gestikulierte auch beängstigend ähnlich. Dabei unterhielt er etwa dreissig Leute mit höchst abenteuerlich klingenden Geschichten, welche er direkt auf der Treppe zum Damenklo zum besten gab. Ich selbst tanzte ein wenig und sass die restliche Nacht kiefernd und bibbernd in einer Ecke und liess mich von einer Dame trösten, die mir Zitronen und Wasser brachte. Nach der beschriebenen Nacht kam Hs einige Tage nicht mehr klar. Er ging nicht zur Schule (bzw. sehr sporadisch) und spazierte dafür länger durch unser Städtchen um vor farbigen Reklametafeln stehen zu bleiben – es gab damals eine Werbung für einen Fertigsalat, die ihn besonders faszinierte. Wir machten uns ernsthafte Sorgen um ihn, hätten aber nicht im Traum daran gedacht irgendwas an unserem Konsum zu ändern (wir nahmen damals unregelmässig MDMA aber jedes Wochende irgendwas). Nach einige Tagen pendelte sich das ganze wieder ein und wir konnten uns wieder gemeinsam die Birne wegblasen.

An einer berufsbegleitenden Schule lernte ich einen Typen kennen, mit dem ich in jeder Pause Kiffen ging. Er war der klassische Raver, jedes Wochende an irgend einer Party und immer voll «druff» und das bereits seit Jahren. Nun merkte man das dem guten Mann auch tatsächlich an, zum einen hatte er Mühe, ein längeres Gespräch vernünftig zu führen und zum anderen gab er an, keine Bücher mehr lesen zu können, weil die Buchstaben tanzen würden – das störte ihn aber nicht weiter, er tanzte ohnehin viel lieber mit. Einige Bekannte waren in den späten Neunzigern auch wöchentlich (und ab und an unter der Woche) auf «E» und haben im Nachhinein betrachtet wenige bleibende Schäden davongetragen. Wobei das sehr schwierig einzuschätzen ist, weil fast alle von denen schon vorher ultranervös und dumm wie Brot waren oder heute auf Koks abgestürzt sind.

Meine eigenen negativen Erfahrungen mit MDMA halten sich sehr in Grenzen. Ich hab nie Nachwirkungen verspürt (vom «Kater» mal abgesehen). Ich habe lediglich die ersten Abgründe entdeckt, die sich in mir auftun wollten, so dass ich ein/zweimal eine Rauschlänge mit dasitzen, mit dem Kiefer mahlen und vor mich hinstarren verbrachte (das eine mal in der oben beschriebenen Nacht). Das Problem am Ectasy war halt immer, dass man sich über die genauen Inhaltsstoffe im Unklaren war und entsprechend auch nicht wusste, was da gerade «schräg einfuhr». So behauptete Bi, dass er mal eine Pille mit Strychnin-Anteil geschluckt und anschliessend die Nacht mit krassesten Halluzinationen im Bett verbracht habe. Zudem musste ich feststellen, dass sich die Wirkung zunehmend einschliff und nie mehr den Level der ersten Erfahrung erreichen sollte – was aber natürlich davon abhing, dass wir – besonders zu Anfang – nur kurze Pausen (in den erste beiden Monaten ein bis zwei Wochen) zwischen den Einnahmen einlegten.