Step in and take a look

Irgendwann im Frühjahr 1995, ich war sechzehn Jahre jung geworden, gab es in meiner Region eine längere Haschflaute. So zumindest erkläre ich mir heute, dass wir kein Hasch, geschweige denn Öl, organisieren konnten. Und so entschlossen wir uns die unscheinbaren weissen Pillen zu probieren, welche uns im Spielsalon schon mehrfach angeboten worden waren.

An einem Samstag-Abend trafen wir uns in der Wohnung von Pj, dessen Eltern für den Abend ausgegangen waren. Jeder von uns vieren bekam eine Pille, von der wir weder den Inhaltsstoff, noch die Art oder Länge der Wirkung kannten. Wir waren bereits das, zu dem wir uns in den Folgemonaten vollends entwickeln sollten: Drogenkinder. Keine Ahnung von Nichts, aber reinhauen was man in die Finger kriegt. Es handelte sich bei den erworbenen Tabletten um einen damals üblichen Mix aus (viel) MDMA und (wenig) Amphetamin, wie ich später erfuhr. Nachdem wir das Teil mit etwas Wasser runtergespült hatten, gingen wir ins Zimmer von Pj und zockten an der Playstation. Nach etwa fünfzehn Minuten stellten wir enttäuscht fest, dass das Zeug bei uns scheinbar nicht wirkte. Nach weiteren fünfzehn Minuten fanden wir plötzlich die Musik des PS-Games wesentlich faszinierender als das Spiel selbst und Pj entschloss sich spontan zu tanzen. Und nochmals fünfzehn Minuten später waren wir total durch: ich lief im Kreis und sagte ständig vor mich hin: «Ich will ein guter Sänger sein, ich will eine guter Sänger sein…». Pj, Le und Hs überboten sich gegenseitig in ihrer Tanzperformance und stampften dabei derart laut durch’s Zimmer, über den Schreibtisch und schliesslich durch die ganze Wohnung, dass wir uns entschlossen, den weiteren Rausch draussen zu verleben.

Wir schnappten unserer Räder und fuhren im eilzugstempo und himmelhoch jauchzend zu einem kleinen Weiher in der Nähe. Dort tanzten wir, den Kopf im Himmel, zu Punksound aus einem kleinen Radio, welches Pj mitgenommen hatte. In meiner Euphorie zog ich mich bis auf meine Unterhosen aus und rannte, meine Hose über dem Kopf schwingend, um den Weiher, während mir die anderen lauthals zujauchzten. Nach einigen Runden und Liedern, beschlossen wir, an eine Party zu fahren, welche mit den Fahrrädern etwas drei Stunden entfernt lag – wir waren zu allem fähig, nichts stand uns im Weg. So machten wir uns auf, die feste Überzeugung im Gepäck, dass wir die ganze Nacht durchfeiern und tanzen konnten, selbst wenn wir es nicht bis zur Party schaffen würden. Das stellte sich als grosser Irrtum raus, als wir nach etwa einer Stunde Fahrt zwischen zwei Dörfern feststellten, dass wir eigentlich gar keine Lust mehr auf Party hatten und auch sonst eigentlich Bock auf sehr wenig – vorallem nicht auf Radfahren. Wohl oder übel mussten wir aber den Weg zurück unter unsere Räder nehmen, welcher sich als wesentlich länger und beschwerlicher herausstellte als der Hinweg. Zudem musst ich festestellen, dass mein Portemonnaie verschwunden war. Es hatte sich bei meiner Tanzeinlage am Weiher spontan aus der Hosentasche verabschiedet (Ich fand es am nächsten Tag wieder).

So lernte ich, dass man von den lustigen Pillchen am besten immer mehrere hat, welche man gegebenenfalls gleich nachwerfen kann. Was das aber teilweise für Zustände nach sich zieht, sollte ich erst später erfahren.


3 Antworten auf “Step in and take a look”


  1. 1 sonic 12. September 2006 um 13:50 Uhr

    Und wann geht’s richtig los? ;)

  2. 2 gratiswodkanutte 12. September 2006 um 20:57 Uhr

    meine rede. auf einem bein steht sichs schlecht ;)

  3. 3 Administrator 13. September 2006 um 1:04 Uhr

    Immer schön der Reihe nach. :)

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.