Tetrahydrocannabinol

Bevor ich in die Welt ober- bzw. unterhalb des THC-Rausches eintauche, möchte ich hier noch einige Zeilen dem angenehmen «Snack» für zwischendurch widmen. Ich kiffe unterdessen nicht mehr, halte aber THC nach wie vor für eine persönliche Antwort auf einige der vielen Probleme, die uns diese Welt täglich beschert (insbesondere wenn man bei der Lohnarbeit Stress ausgesetzt ist – eigentlich eine Tautologie).

Die ersten Hasch-Räusche, die ich erlebte, waren sehr intensiv. Wir hatten lange Lachkrämpfe und spielten allerlei komische Spiele wie Achterbahn auf dem Rücken liegend (man machte dazu Geräusche und schupste und schüttelte sich gegenseitig). Oder wir lagen einfach in der Wiese oder auf Parkplätzen und starrten in den aussergewöhnlich blauen Himmel. Irgendwann kam die Mode auf, sich gegenseitig ohnmächtig zu machen, indem man hyperventilierte oder sich Press-Ventis verabreichte. Naja, wir waren damals so um die vierzehn Jahre alt.

An meinen ersten Haschöl-Rausch (nicht zu verwechseln mit dem weit weniger potenten und heute «handelsüblichen» oder gar selbstgemachten Öl aus Gras) erinnere ich mich noch gut. Haschöl war für mich ein Novum und wir erreichten tatsächlich einen Zustand, der weit über die uns bekannten THC-Räusche hinaus ging. Ich und Le glaubten damals, dass wir in einem Trailerpark etwas ausserhalb unseres Städtchens – Zugang für Nicht-Campierende verboten – Unsinn machen könnten, weil eh alle «geil drauf» seien. Und so steckten wir unter lautem Gelächter und ohne Rücksicht auf Auffälligkeit oder Konsequenzen an diversen Wohnwagen die Stromkabel aus und spritzten mit einem Gartenschlauch auf dem Areal rum. Mit dem Resultat, dass uns ein Securitas den Bullen übergeben wollte, was wir durch wildeste Lachanfälle und schnelles Davonlaufen jedoch zu verhindern wussten.

In der Folgezeit begann Öl und die orale Einnahme des selbigen (oder notfalls grosse Mengen von Hasch) eine wichtige Rolle in meinem Wochenplan zu spielen. Am Wochenende wollte man – von der Woche völlig zerschlissen und im Kaff ohnehin nichts los – wenigstens eine gute Zeit verbringen und so machten wir uns Zucker oder notfalls Hasch-Cakes und -Joghurts. Eine der eindrücklichsten und wunderbarsten Erfahrungen in diesem Zusammenhang machte ich nach der Einnahme eines starken Öl-Zuckers an einem sonnigen Sonntagnachmittag. Wir fuhren mit unseren Fahrrädern an einen nicht weit entfernten Fluss und hatten schon unterwegs eine Unmenge faszinierender Dinge zu entdecken: spazierende Familien mit surealen Kinderwägen, Vögel, die dicht über unseren Köpfen flogen, ein wunderbar schillernder Fluss. Nicht, dass sich da optisch riesig was verändert hätte, aber die Dinge schienen alle direkt aus einem Märchenbuch entsprungen und darum sehr wunderbar – teilweise auch etwas unheimlich, nie aber beängstigend (ich hatte damals noch eine sehr stabile Psyche, wie man wohl sagt). Als wir an unserem spontan gewählten «Ziel» angekommen waren – eine hohe Treppe, die zu einem Kiosk führte – war der Rausch auf seinem Höhepunkt. Der eigentlich sehr unansehnliche Maschendraht-Zaun, der den Kiosk umgab, erschien mir tatsächlich als eine veritable Burgmauer. Ds, welcher zwei Stufen oberhalb von mir sass und pausenlos lachte, benahm sich wie ein Fürst. Er hatte als einziger der Gruppe etwas zu trinken und ich verdurstete schier in der brütenden Sonne. So flehte ich ihn um etwas Wasser an, und er – sich in seiner Rolle sichtlich wohlfühlend – lachte bloss über mich, der sich derart theatralisch abmühte. Nun war es aber nicht so, dass ich darunter irgendwie gelitt hätte, im Gegenteil gefiel ich mir sehr in dieser Rolle und hatte – nachdem ich den Schluck dann doch erhalten hatte – das Gefühl, dass die ganze Umgebung mitsamt den Leuten rundherum optimal in mein Märchenbild passen würden. Das nennt man wohl optimales Setting oder so. Mit so Theoriekram hab ich mich aber nie ausgekannt. Auf jedenfall war das ganze eine wunderbare Sache und gegen Abend klang es dann auch schön sauber aus, so dass ich problemlos mit meinen Eltern zu Abend essen und von meinem schönen Tag am Fluss erzählen konnte.

Es gab noch einige Stunden und Tage, die in eine ähnliche Richtung wiesen, aber mir wurden die häufigen starken Dosierungen teilweise auch etwas viel – immer aber bloss unangenehm, nie hatte ich wirklich Paranoia oder etwas in die Richtung (mit einer Ausnahme bei einem Haschkuchen, bei dem ich das Gefühl hatte, mich irgendwie zu verlieren). Wir rauchten damals häufig «den Zauberer», eine Bong in Form eines Zauberers, bei der man das «Käppchen» immer ganz runterziehen musste. Dieses füllten wir häufig mit Hasch pur und liessen «den Zauberer» kreisen, das führte dann nach einigen Runden schon ab und an zu recht intensiven Zuständen. Dies auch, weil das Kiffen (nicht aber die orale Einnahme) unterdessen Tagesritual wie das «täglich Brot» geworden war und es mich eher «reindrückte», als dass ich noch auf den «Lacher» oder ähnlich kam. So presste es mich dann halt einfach stärker in den jeweiligen Sessel rein und die Wahrnehmung zog sich irgendwie zurück, so dass ich das ganze wie von weiter weg wahrnahm.

Alles in allem habe ich THC als eine sehr angenehmen Sache kennengelernt. Dass es aber eine Frage der Psyche ist, stellte ich fest, als ich in späteren Jahren noch Wochen nach massivem LSD-Konsum beim Kiffen teilweise starke Flashbacks (die teilweise mehrere Stunden anhielten) und Paranoia-Schübe bekam. Vermutlich würde ich aber noch heute kiffen, wenn ich nicht spontan von einem Tag auf den anderen aufgehört hätte, nachdem ich noch mit dreiundzwanzig täglich um die acht bist zehn Tüten (gemeinsam mit Freunden) geraucht habe.