Startpunkt

Aufgewachsen bin ich in einer Kleinststadt von gut zehntausend Einwohner. Die Hauptschauplätze meiner Jugend waren ein Spielsalon, der Bahnhof, ein kleiner See und ein Wald, welcher an des Städtchen grenzte. Ich wurde in eine einigermassen intakte Familie hineingeboren. Nach Abschluss der Schule wurde ich in einem Druckereibetrieb zum Arbeiter erzogen, ein Vorgang, dessen Sinn sich mir bis heute nicht erschliesst.

Mit etwa dreizehn Jahren – im Jahr 1992 – begann ich zu Kiffen. Eine Sache, die damals in unserem Städtchen noch schwer verpönt war und als Drogenkonsum galt. Entsprechend schwierig war es für uns, das Zeug aufzutreiben und entsprechend versteckt mussten wir es konsumieren. Dennoch erhöhten wir (Pj, Le, Hs, Br und Ich) innerhalb eines Jahres den Konsum von gelegentlich auf täglich. Wenn möglich trafen wir uns bereits morgens vor der Schule in einem Wäldchen und rauchten unseren ersten Joint, um den Scheiss, der da erzählt wurde einigermassen zu ertragen. Als Schüler waren unsere Geldmittel sehr beschränkt und so klauten wir mal Geld bei den Eltern oder versuchten Hasch zu überteuerten Preisen an Mitschüler zu verticken. In diesen ersten Jahren meiner «Karriere» ereigneten sich, noch auf niedrigem Level, einige lustige und einige erst im nachhinein lustige Storys:

Im zweitletzen Schuljahr mussten wir im Bio-Unterricht einen Weiher abzeichnen. Zu dritt machten wir uns auf und rauchten unterwegs eine Tüte. Blöderweise war Mi mit dabei, der sich insbesondere dadurch auszeichnete, dass er nach dem Kiffen total unzurechnungsfähig wurde. Nachdem wir Mi nach einer halben Stunde den Weiher ins Heft gezeichnet hatten – während dieser irgendwo im Wald rumrannte und rumbrüllte – mussten wir in’s Schulzimmer zurück. Wir erklärten Mi – dieser unterdessen völlig bleich – dass er besser nach Haus gehe und wir es dem Leher schon irgendwie verklickern könnten. Nun war Mi aber nicht bloss unzurechnungsfähig, sondern auch sehr dickköpfig und entsprechend kam er mit in die Schule – ein nicht ganz unbedrohliches Szenario für drei vierzehnjährige. Su stützte Mi und blieb mit ihm (wankend und bleich) an der Türe zum Schulzimmer stehen, während ich – selber recht zittrig auf den Beinen – auf den Lehrer zuging um ihm die Unterlagen abzugeben. Dieser merkte aber logisch, dass da was im Busch war und fragte – zum Glück nicht vom Schreibtisch aufstehend – Mi ob alles in Ordnung sei. Dieser entgegnete stotternd, dass ihm übel sei und dass er nach Hause müsse. Mit diesen Worten riss er sich von Su los und stolperte davon. Der Lehre schluckte das absurderweise und bemerkte auch die Schweissperlen auf meiner Stirn nicht.

So zogen die Jahre ins Land: Wir kifften uns täglich die Langeweile weg und die Lachkrämpfe und ander lustige Erscheinungen von früher schliffen sich mehr und mehr ein. Mi mussten wir aus allerlei haarigen Situationen retten (einmal sollte er bei mir übernachten und lag mehrer Stunden in meinem Zimmer flach, während meine Mutter immer wieder reinkam) und mit den Bullen kamen wir auch das erste Mal in Konflikt, die hatten damals eine «Kifferliste» mit etwa 150 Namen erstellt. Wenn’s mal nichts zu kiffen gab, versuchten wir irgendwo Alk aufzutreiben oder rauchten zur Abwechslung mal Muskatnuss, Ingwer oder was man sonst so auftreiben konnte – meist ohne eine Rauschwirkung zu erzielen.

Ich hatte unterdessen die Schule verlassen und war in der Druckerei der täglichen Plackerei wiederum nur gewachsen, wenn ich mir morgens die erste Tüte reinpfiff. Nun alleine, weil meine Freund in anderen Betrieben arbeiteten oder arbeitslos rumhingen. So ging das Tag für Tag, bis ich mit sechzehn während einer grossen Haschflaute meinen ersten Kontakt mit MDMA hatte…


4 Antworten auf “Startpunkt”


  1. 1 Sonic 08. September 2006 um 19:35 Uhr

    Bis hierhin kommt mir deine Karriere bekannt vor.

  2. 2 torsun 08. September 2006 um 20:46 Uhr

    bin ja mal gespannt wies weitergeht und werd dich daher gleich mal verlinken.

    bestes,
    torsun

  3. 3 tee 08. September 2006 um 20:51 Uhr

    ebenso…
    …weiter so!

  4. 4 Administrator 09. September 2006 um 1:26 Uhr

    Besten Dank für die comments und die Verlinkung.

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